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FIFA-Boss Gianni Infantino, die Figur, die symbolisch für die extremen Klimaschäden steht, die durch diese WM erzeugt werden.

02.07.2026

FIFA World Cup 2026

Wer verliert bei dieser Weltmeisterschaft ?

Nein, hier geht es nicht darum, die deutsche National­mann­schaft noch ein weiteres Mal als Looser anzu­prangern. Das haben andere oft genug getan, und die meisten können es besser als wir. Es geht auch nicht um all die anderen Mann­schaften, die schon ver­loren haben oder (bis auf eine) noch ver­lieren werden.
Es geht um die­jenigen, die eben­falls ver­lieren, egal, ob sie etwas mit Fuss­ball zu tun haben oder nicht.

Bereits im Sommer letzten Jahres warnte eine Studie, dass der World Cup 2026 die bei weitem klima­schäd­lichste Veran­staltung dieser Art sein werde, die es je gegeben hat und auf abseh­bare Zeit geben wird. Das liegt insbe­sondere an der gewal­tigen räum­lichen Ausdeh­nung über fast den gesamten nord­amerika­nischen Konti­nent, mit Entfer­nungen von bis zu 4.500 Kilo­metern zwischen Aus­tragungs­orten. Das erzwingt natür­lich Flug­reisen von Mann­schaften, Funktio­nären und Fans, die durch den Spiel­plan eher noch geför­dert als redu­ziert werden.

Die Studie hat damals abge­schätzt, dass durch diese WM mehr als 9 Mil­lionen Tonnen CO₂-Äqui­valente (9 Mt CO₂e) emit­tiert werden könnten, fast doppelt soviel wie der Durch­schnitt der WMs von 2010 bis 2022. Rund 7,7 Mill. Tonnen ent­fallen auf den Flug­verkehr. Berück­sichtigt man auch dessen Nicht-CO₂-Effekte, muss der Gesamt- Wert noch mit einem Faktor von 1,4 bis 1,7 multi­pliziert werden.
Symbo­lisch für diesen immensen Beitrag zur Klima­katastrophe steht FIFA-Boss Infan­tino, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, täg­lich zwei Spiele persön­lich zu besuchen und dafür mit einem Luxus-Privat­jet über den Konti­nent jettet, der ihm von Quatar Execu­tives, einer Tochter des FIFA-Spon­sors Quatar Airways, zu Verfü­gung gestellt wird. Die Gulf­stream G650ER gilt als beson­ders luxuri­öser Lang­strecken-Privat­jet, ist aller­dings, da mehr als zehn Jahre alt, beim Treib­stoff-Ver­brauch nicht sonder­lich effi­zient. Daher besagen Schät­zungen, dass dieser Jet

"... pro Flug­stunde so viel CO2, wie ein Durch­schnitts­mensch im ganzen Jahr verur­sacht. Allein in der Gruppen­phase bedeutet das: über 230.000 Liter Kerosin. ...
Wenn er auch die Achtel­finale und Viertel­finals auf diese Weise bereist, summieren sich die Emis­sionen seines Flug­zeugs allein auf 300 bis 500 Tonnen."

Andere weisen darauf hin, dass Infan­tino auch sonst Viel­flieger ist und die FIFA-Pla­nungen für die nächsten Turniere, u.a. die Frauen-WM 2027 und die Männer-WM 2030 ähnlich klima­schädi­gend geplant werden, wobei die SGR-Studie aller­dings davon ausgeht, dass die WM 2026 davon kaum über­troffen werden kann.
Greenpeace nennt auch deshalb die "Nach­haltig­keits­strate­gie" der FIFA, die "Klima­neutra­lität bis 2040" angibt, ein "Parade­beispiel für Green­washing".
Stay Grounded hat anläss­lich der Exzesse des Herrn Infan­tino die schon länger laufende Kampagne für ein Verbot von Privat­jets ergänzt um eine Petition, die ein Verbot der Nutzung von Privat­jets durch die FIFA bei den Welt­meister­schaften fordert. Sie ist leider bisher kaum öffent­lich bekannt und dürfte allein deshalb wenig Unter­stütze­r*innen finden.

All das sind keine Zufällig­keiten oder Entglei­sungen einiger Funktio­näre, sondern Grund­bestand­teile der FIFA-Politik. Anfang Juni erschien unter dem Titel "Fussball entzündet die Welt" ein ausführ­licher Bericht, der analy­siert, welchen Einfluss die Fossil­industrie bereits im Welt­fussball und in der FIFA ent­wickelt hat und wie unter Führung Saudi-Arabiens und des staat­lichen Ölkon­zerns Saudi Aramco als Haupt­sponsor besonders die WM 2026 zur Werbe­arena und zum Markt­platz für Fossil-Konzerne wurde.

Als eindeu­tiger Ver­lierer dieser Welt­meister­schaft steht damit das Klima fest. Nicht nur die Treib­hausgas-Emis­sionen dieses Events richten gewal­tige Schäden an, die Art und Weise, wie bei Vorbe­reitung und Durch­führung Klima­schutz-Aspekte igno­riert, vernach­lässigt oder ins Lächer­liche gezogen werden konnten, ohne dass das auf merk­baren Wider­stand stiess, haben der globalen Klima­politik immens geschadet.

Fan-Verbände kriti­sieren das Turnier als "Parade­beispiel für Ausgren­zung und kommer­zielle Verein­nahmung" und formu­lieren als zentrale Kritik­punkte:

Stay Grounded weist darüber hinaus auch noch darauf hin, dass dieses Turnier wegen dieser völlig über­höhten Ticket-Preise und einer Viel­zahl von Diskri­minie­rungen gegen Fans und sogar Spieler aus für die USA unlieb­samen Ländern primär eine Veran­staltung für Wohl­habende und Super­reiche ist und teil­weise zu erheb­lichen Belas­tungen für die lokale Bevölke­rung führt, z.B. die Trink­wasser-Krise in Mexiko-City ver­schärft.

Amnesty Inter­national hat bereits im März 2026 in einem Bericht dar­gelegt, welche Verpflich­tungen zum Schutz der Rechte der Fans, Spieler und Funktio­näre die FIFA, die natio­nalen Fuss­ball-Verbände, die Spon­soren und die austra­genden Staaten und Städte haben und auf eine Viel­zahl von Risiken, insbe­sondere durch die Menschen­rechts-feindliche US-Politik, hinge­wiesen.
Vieles davon hat sich bereits bewahr­heitet, und zahl­reiche Beispiele von Repres­sionen und Diskri­minie­rungen von Fans und Fan-Gruppen, aber auch von Schieds­richtern, anderen Funktio­nären und Spielern wurden bekannt. Eine abschlies­sende Bilanz wird erst in Monaten vor­liegen, aber bereits jetzt kann man fest­stellen:

Weiterer grosser Verlierer dieser Welt­meister­schaft sind die Menschen­rechte. Menschen wurden wegen ihrer Herkunft, wegen ihrer Haut­farbe oder wegen ihrer poli­tischen Über­zeugungen oder sexu­ellen Orien­tierung diskri­miniert. Fans wurden durch unfaire Ausbeutungs­methoden wie "dynamic pricing" etc. um grosse Summen betrogen und mit schlech­teren Leistungen abge­fertigt, ohne sich wehren zu können.

Um zu verstehen, wie solche Ergeb­nisse zustande kommen können, lohnen sich weitere Blicke hinter die Kulissen. Der "Welt­fuss­ball­verband" Fédé­ration Inte­rnationale de Foot­ball Associa­tion, FIFA, ist keine staat­liche Organi­sation, sondern ein Schweizer Verein, der vor 122 Jahren von einigen natio­nalen europä­ischen Fuss­ball­verbänden bzw. Klubs gegründet wurde, um inter­natio­nale Spiele zu organi­sieren. Inter­natio­nale Turniere fanden zunächst im Rahmen der Olympi­schen Spiele statt, die FIFA konzen­trierte sich aber, schon damals mit Sponsoren-Hilfe, auf den in Süd­amerika bereits durch­kommer­ziali­sierten Fuss­ball und organi­sierte 1930 die erste kommer­zielle Welt­meister­schaft in Uruguay.
Heute sind 211 natio­nale Verbände Mitglied der FIFA, die in sechs Konti­nental­verbänden organi­siert sind (für Europa die UEFA, die eben­falls ein Verein nach Schweizer Recht ist). Trotz Mil­liarden-Ein­nahmen aus Fernseh- und Marketing-Rechten, Karten­verkauf etc. zahlt die FIFA auch in der Schweiz prak­tisch keine Steuern und gilt über­wiegend als völlig intrans­parent und korrupt.

FIFA, eigent­lich per Satzung zu poli­tischer Neutra­lität ver­pflichtet, zeigt auch eine zuneh­mende Vor­liebe für die Zusammen­arbeit mit autori­tären Regimen bei der Durch­führung von Tunieren, so mit Russland, Katar, nun den USA und dem­nächst mit Saudi Arabien. Nirgendwo wird die Perver­sität dieser Ko­opera­tionen deut­licher als in der Vorbe­reitung des jetzi­gen Turniers, in der FIFA, genauer das FIFA-General­sekre­tariat unter Infan­tino, im Novem­ber letzten Jahres einen eigenen Friedens­preis kreierte und ihn einen Monat später ohne weitere Absprachen an US-Präsi­dent Trump verlieh, der damals einen Ersatz für den Friedens-Nobel­preis brauchte, den er trotz massiven Drängens nicht bekommen hatte.
Immerhin führte das zu einer Beschwerde beim Ethik-Kommittee der FIFA, die inzwi­schen nicht nur vom norwe­gischen Fuss­ball-Verband sondern auch von 50 Europa-Parlamen­tariern unter­stützt wird und Teil einer Kampagne ist, die unter dem Titel "Reboot FIFA" auf wesent­liche Reformen abzielt.

Aus deutscher Sicht noch inter­essant: dem FIFA-Rat, dem formal höchsten Ent­schei­dungs­gremium der FIFA, gehört als Ver­treter der UEFA auch DFB-Chef Bernd Neuen­dorf an. Ehema­liger SPD-Politiker und bei der WM 2022 sogar noch ein bisschen auf­müpfig, ist er inzwischen seinem Chef Infantino nicht nur äusser­lich ähnlich. Von dem Friedens­preis will er, wie der gesamte FIFA-Rat, vorher nichts gewusst haben, vertei­digt aber im Nach­hinein Infan­tinos Vor­gehen. Er hat aber auch etwas zu verlieren. Neben dem wohl eher kargen Salär als DFB-Chef bekommt er für die Mitglied­schaft im FIFA-Rat auch noch eine kleine Aufwands­entschä­digung von 250.000 US$ pro Jahr.

Damit nähern wir uns der entschei­denden Frage: wenn bei dieser WM fast alle ver­lieren, wer gewinnt? Natür­lich, eine Mann­schaft wird eine Kopie der FIFA-Trophäe mit nach Hause nehmen dürfen, Spieler und Trainer der Mann­schaften, die nicht nur ver­loren haben, werden ihren Markt­wert deut­lich gestei­gert haben, aber darüber hinaus? Die Clique der­jenigen, die von diesen Spielen profi­tieren, ist nicht allzu gross, aber trotz­dem nicht wirk­lich genau abzu­grenzen. Dazu gehören in erster Linie die Spon­soren, diesmal über­wiegend aus der Fossil-Wirt­schaft, aber z.B. auch Glücks­spiel­anbieter, deren Tätig­keit in Deutsch­land illegal ist. Sie alle können nicht nur lukra­tive Geschäfte abschlies­sen, sondern auch einen immensen Werbe­erfolg erzielen. Dazu gehören die FIFA-Klüngel, deren Geschäfte zum grössten Teil undurch­sichtig bleiben, aber sicher lohnend sind. Dazu gehören auch Poli­tiker wie die Trump-Clique, die sich in inter­natio­nalem Ruhm sonnen können, während ihre schmut­zigen Aktivi­täten weit­gehend im Dunkeln bleiben.
Mit anderen Worten: es sind die Cliquen, die auch sonst ihren Profit mit der Zer­störung des Klimas und der brutalen Aus­beutung von Mensch und Natur machen. Fuss­ball-Fans in aller Welt sollten darüber nach­denken, ob das wirk­lich das ist, was sie sehen wollen, und ggf. in ihren Ver­bänden deut­lich machen, dass es auch anders gehen könnte.


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28.06.2026

Frankfurt

Koalition auf Fraport-Kurs

Rund drei Monate nach der Kommunal­wahl wurde am 11.06. in Frank­furt der Koali­tions­vertrag für die künftige Stadt­regie­rung präsen­tiert. CDU, Bündnis90/DieGrünen und SPD bilden die Koali­tion und koope­rieren mit Volt, für die der Vertrag eben­falls gilt (aber eben als "Vertrag" und nicht als "Koali­tions­vertrag", was immer das bedeuten soll).

Die Frank­furter Rund­schau nennt das Papier einen "Koali­tions­vertrag ohne Prosa". Den zwölf Kapiteln, die jeweils einen Themen­block abhan­deln, sind immer nur wenige Sätze voran­gestellt, dann folgen lange Listen von Auf­zählungs­punkten, die ohne erkenn­bare Struktur alles auf­listen, was irgend­wie in diesen Themen­bereich gehört. Das können grund­legende Absichts­erklä­rungen sein, aber auch Details mit eng begrenz­ter lokaler Bedeu­tung. Die FR hat insge­samt über 800 solcher Punkte gezählt, die 64 Seiten in Anspruch nehmen - da müsste man eigent­lich davon aus­gehen können, dass für jede/n was dabei ist.

Wir haben uns nicht die Mühe gemacht, das alles durch­zulesen und ver­stehen zu wollen, sondern uns darauf konzen­triert, Aus­sagen zu Themen wie Flug­hafen, Flug­lärm, Schad­stoff-Belas­tung und Klima­schutz zu finden. Das ist uns in den Kapiteln "Wirt­schaft und Digita­lisierung" und "Klima­schutz und Umwelt" gelungen.

Im Wirt­schafts-Kapitel finden sich drei Punkte:

(*FRM: Frankfurt RheinMain GmbH, Standort-Marketing)

Das klingt zunächst nichts­sagend und belang­los, aber man kann und muss es wohl auch so lesen: "Wir unter­stützen den Luft­verkehr überall, wo es mit kommu­nalen Mitteln mög­lich ist, insbe­sonders was Forschung und Entwick­lung und den Aufbau der notwen­digen Infra­struktur für sog. "nach­haltige Treib­stoffe" angeht (die die Wunder­waffe zur Errei­chung von "Net Zero" Treib­haus­gas-Emis­sionen) dar­stellen). Ansonsten reden wir der Luft­verkehrs­wirt­schaft nicht in ihre Geschäfte hinein (was für einen der grössten Anteils­eigner des Frank­furter Flug­hafens eine bemerkens­werte Aussage ist).

In der Rubrik "Klima & Umwelt" finden sich vier Punkte mit Bezug zum Flug­hafen (S.41, Punkte 59-62 von 70):

Hier wird schon gleich am Anfang mit der allge­meinen Beding­ung "ohne die Bedeu­tung des Flug­hafens zu schmälern" deut­lich gemacht, dass alles, was danach kommt, unwirksam bleibt, weil rele­vante Beschrän­kungen des Flug­betriebs nicht zulässig sind. Die rest­lichen Aussagen und Forde­rungen sollen nur noch gut klingen für Menschen, die mit den realen Beding­ungen nicht vertraut sind. Für die­jenigen, die sich gegen die Belas­tungen durch den Flug­hafen wehren, klingen sie wie blanker Hohn.
Wollte man wirk­lich für die Verlage­rung von Kurz­strecken­flügen auf die Schiene ein­treten, müsste man sich zu den realen Proble­men positio­nieren, die diese Verlage­rungen behin­dern. Das Gleiche gilt für die diversen Formen von Angriffen auf die existie­renden Nacht­flug­beschrän­kungen.

Die Aussagen zum Aktiven Schall­schutz klingen, als habe es die offi­ziellen Bankrott-Erklä­rungen zu diesem Programm nie gegeben, und die Formu­lierungen zu Ultra­fein­staub zeugen ent­weder von komplet­ter Unkennt­­nis oder der Absicht, die Lese­r*innen hinters Licht zu führen.
Um zumin­dest den letzten Punkt noch etwas zu erläutern: "Kon­trollen" von Ultra­fein­staub in dem Sinne, dass die Einhal­tung bestimmter Grenz­werte oder bestimmter Reduk­tions­mecha­nismen zu über­wachen wäre, gibt es nicht und wird es in abseh­barer Zeit auch nicht geben, da entspre­chende Vor­gaben nicht exis­tieren. Filte­rung von Ultra­fein­staub ist, wenn sie gründ­lich sein soll, extrem auf­wändig und in aller Regel kaum durch­führbar. Dort, wo sie mit redu­zierter Wirkung machbar und wegen der besonders hohen Konzen­trationen und dem gleich­zeiti­gen Auf­treten gröberer Staub­fraktionen sinnvoll wäre, auf dem Flug­hafen­gelände, handelt es sich in erster Linie um Arbeits­schutz­maßnahmen, für die Fraport zuständig ist. Und "emis­sions­arme Antriebe" ? Da warten wir nun mit Spannung darauf, dass die Stadt Frank­furt in dieser Legis­latur­periode Elektro­flug­zeuge in ihren Fuhr­park aufnimmt. Sollten aber nur elek­trische Busse, Schlepper, Reini­gungs­maschinen etc. gemeint sein, ist das auch wieder Sache der Fraport bzw. der sonstigen Betreiber, passiert sowieso und trägt nicht wirklich viel zur Lösung des Problems bei.

Auch der letzte Punkt braucht für alle, die mit dem Thema nicht vertraut sind, zusätz­liche Erläute­rungen, um den wahren Inhalt zu ver­stehen. Das Flug­lärm­schutz­gesetz enthält alle wesent­lichen Regeln und Stan­dards zum passiven Schall­schutz, das Luft­verkehrs­gesetz enthält einige Aus­sagen, die für den aktiven Schall­schutz rele­vant sind. Diese Regeln und Standards sind über zwanzig Jahre alt. Das Umwelt­bundes­amt als zustän­dige Fach­behörde hat bei der gesetz­lich vorge­schrie­benen Evalu­ierung des Flug­lärm­schutz­gesetzes im Jahr 2017 (!) erheb­lichen Änderungs­bedarf festge­stellt und entspre­chende Ver­besserungs­vorschläge ausge­arbeitet. Seit dieser Zeit wird der Novel­lierungs­prozess von wechseln­den Regie­rungen immer wieder ver­zögert und ver­schleppt. Inner­halb der Regie­rung vorge­legte Entwürfe haben die UBA-Vor­schläge weitest­gehend verwäs­sert, gingen den Hard­linern aber trotz­dem nicht weit genug, um die notwen­digen Ver­schär­fungen der Anforde­rungen, die auch nach EU-Recht not­wendig wären, hinrei­chend zu ver­hindern. Den aktu­­ellen Stand der Diskus­sion dazu haben wir vor Kurzem in einem Beitrag zum neuen Betriebs­konzept von Fraport und DFS darge­stellt. Da kann man auch nachlesen, dass und wie das LuftVG gerade novelliert wurde.
Wer in dieser Situa­tion Unter­stützung für eine Novel­lierung zusagt, ohne wenig­stens ein paar Rahmen­beding­ungen zu nennen, die dafür erfüllt werden müssten, der sagt im Grunde: "Macht, was ihr für richtig haltet. Wir machen jede Schweine­rei mit." Das mag nicht allen Koalitio­nären bewusst gewesen sein, aber wer sich um solche Themen nicht kümmert und aus Igno­ranz, Dumm­­heit oder anderen Gründen so einen Vertrag unter­schreibt, der muss im Zweifels­fall dann eben auch mit­machen. Es gibt mit Sicher­heit genügend Kräfte in dieser Koali­tion, die genau das wollen und auch durch­setzen werden.

So enttäu­schend diese Inhalte sind, über­raschend kommen sie nicht. Schon vor 10 Jahren mussten wir fest­stellen, dass die Frank­furter Stadt­politik ein­deutig auf die Förde­rung des Wachs­tums des Flug­hafens ausge­richtet war, und daran hat sich in allen folgenden Koali­tionen nichts geändert.
Was sich geändert hat, ist der Umgang mit den­jenigen, die sich gegen diese Politik wehren. Wurde vor 10 Jahren noch die Stabs­stelle Flug­lärm einge­richtet (heute Stabs­stelle für Flug­lärm­schutz), die als Anlauf­stelle für Fragen und Beschwerden dient und wichtige Informa­tionen über Flug­lärm, Flug­bewe­gungen etc. ver­öffent­licht, und konnten 2018 auch noch zwei Ultra­fein­staub-Meß­stationen in Betrieb genommen werden, die heute wichtige Bestand­teile des ansonsten stark geschrumpften HLNUG-Meß­netzes sind, muss man sich aktuell eher wundern, dass sie noch nicht infrage gestellt und als Opfer notwen­diger Spar­maß­nahmen identi­fiziert wurden.

Sollte das in nächster Zeit noch nach­geholt werden und diese (wenigen) Errungen­schaften unter Druck geraten, wird sich zeigen müssen, wie stark die Gegen­kräfte noch sind. Es gibt in der Frank­furter Lokal­politik durch­aus rele­vante Akteure, die auch in Bezug auf den Flug­hafen für eine andere Politik eintreten. Ob das ausreicht, einem weiteren Rollback im Interesse der Luft­verkehrs­wirt­schaft ent­gegen zu treten, ist aller­dings keines­wegs sicher.
Ob es solche Kräfte auch noch inner­halb der Koali­tions­parteien gibt, ist aller­dings mehr als frag­lich. In diesem Koali­tions­vertrag haben sie keine Spuren hinter­lassen, und ob sie zu anderen Anlässen nochmal reak­tiviert werden können, wird sich wohl erst zeigen, wenn es konkret wird.

Dass Themen, die zwar aktuell disku­tiert und auch von der Bundes­regierung propa­giert werden, aber hier noch nicht in der breiten prak­tischen Umset­zung sind, wie die ver­stärkte Nutzung von Drohnen oder alles, was sich als "Advanced Air Mobility" bezeich­net (Flug­taxis etc.), in dem Papier keine Rolle spielen, obwohl davon erheb­liche Gefahren aus­gehen können, kann mehrere Gründe haben. Einmal könnte die (viel­leicht sogar realis­tische) Ein­schät­zung dahinter stehen, dass entspre­chende Geschäfts­modelle in den nächsten fünf Jahren noch nicht rele­vant werden. Es könnte aber auch sein, dass die­jenigen, die den Luft­verkehr auf allen Ebenen fördern wollen, natür­lich keinen Grund sehen, darüber jetzt schon zu reden, während die­jenigen, die viel­leicht noch an Lärm­schutz etc. interes­siert sind, so etwas wie üblich ver­schlafen, bis es zu spät ist.
An Kräften, die solche Entwick­lungen ver­folgen, früh­zeitig warnen und Wider­stand gegen Fehl­entwick­lungen organi­sieren, fehlt es offen­sicht­lich auch, und nicht nur in Frank­furt. Hier wären sie aller­dings beson­ders wichtig, denn (auch) hier sitzen die Kräfte, die Inter­esse an solchen Geschäfts­modellen haben und poli­tisch abge­sichert und rück­sichts­los genug sind, sowas auch durchzu­ziehen.


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